Jesuitenkommunität von Sankt Georgen

Wir trauern um P. Franz-Josef Steinmetz SJ. Er verstarb heute Morgen im Beisein seiner Schwester. Herr, schenke ihm die ewige Ruhe.

P. Franz-Josef Steinmetz SJ.
08. September 1931 – 14. Oktober 2020

In der Frühe des 14. Oktobers verstarb Pater Franz-Josef Steinmetz im Alter von 89 Jahren. Er gehörte zweimal der Jesuitenkommunität Sankt Georgen an: 1973-1984 als Spiritual am Priesterseminar Sankt Georgen und wieder seit 2003, zunächst als Schriftleiter der Zeitschrift „Geist und Leben“.
Die Beisetzung findet am Freitag, dem 23. Oktober 2020, um 10:30 Uhr auf dem Südfriedhof, Darmstädter Landstraße 229, 60598 Frankfurt am Main von der Trauerhalle aus statt. Das Requiem wird daran anschließend in der Kirche Sankt Wendel, Altes Schützenhüttengässchen 2-6, 60599 Frankfurt am Main, gefeiert. Die Corona-Bestimmungen (Maskenpflicht und Mindestabstand) erlauben nur eine begrenzte Zahl von Mitfeiernden. Bitte registrieren Sie sich über https://www.jesaja.org/events/FAaZ5j8GeWJq0oIv für das Requiem und bringen Sie bitte das Ticket zum Requiem mit.

Pater Steinmetz wurde als ältester von vier Geschwistern am 8. September 1931 in Krefeld am Niederrhein geboren. Von seinen Geschwistern lebt nur noch die jüngste Schwester Hildegard. Der frühe Tod seines Vaters kurz vor Kriegsende 1945 hatte nach eigener Aussage dazu beigetragen, dass er schon als Jugendlicher erwog, Priester zu werden. Zeit seines Lebens sprach er in tiefer Dankbarkeit von seiner Mutter, die ihre vier Kinder in bewundernswerter Weise als Witwe durch die Nachkriegsjahre geführt hatte. Nach dem Abitur 1952 in Krefeld meldete er sich beim Bischof von Aachen, der ihn zum Studium nach Rom schickte, wo er als Germaniker (in der damals noch „roten“ Soutane) an der Päpstlichen Universität Gregoriana Philosophie und Theologie studierte und mit Lizentiaten in beiden Fächern abschloss. In Rom lernte er die Jesuiten kennen, so den von ihm geschätzten und verehrten Pater Wilhelm Klein, der, obgleich „nur“ Spiritual am Germanicum, sein eigentlicher theologischer Lehrer wurde. Die römischen Jahre schlossen mit der Priesterweihe im Jahr 1958 ab. Als Aachener Diözesanpriester kehrte er in seine Diözese zurück, wo er bis 1964 an verschiedenen Orten (Krefeld, Düren, Neersen) als Kaplan mit einem hohen Deputat an Religionsunterricht eingesetzt wurde. Der Entschluss Jesuit zu werden, war bereits in Rom gereift. Der Bischof ließ ihn aber erst nach mehreren Kaplansjahren ziehen. 1964 trat er in das Novizat der damals noch existierenden Niederdeutschen Provinz in Ascheberg bei Münster ein. Noch während des zweiten Noviziatsjahrs stellte ihn der Orden für ein Doktoratsstudium an der Theologischen Fakultät in Trier frei, wo er 1968 bei Prof. Wilhelm Thüsing mit einer exegetischen Arbeit über die Eschatologie im Epheser- und Kolosserbrief zum Doktor der Theologie promoviert wurde.

Es folgten fünf Jahre Mitarbeit in der Redaktion der Zeitschrift „Geist und Leben“ mit Sitz in München und Vorlesungen am Institut der Vereinigung der Ordensoberinnen Deutschlands (VOD) für Ordensfrauen. Von 1973 bis 1984 war Pater Steinmetz Spiritual am Priesterseminar Sankt Georgen in Frankfurt am Main, wo bis heute Seminaristen aus mehreren deutschen Diözesen ihre geistliche Ausbildung erhalten. Es war eine Zeit des dynamischen Übergangs von den konziliaren Aufbrüchen hin zu stabileren Ordnungen und Studienplänen, neuen Arbeitsfeldern und Berufsbildern. Von 1984 bis 1986 übernahm er das Amt des Assistenten (Socius) des Novizenmeisters im Noviziat des Ordens in Münster. Von 1987 bis 1993 wirkte er als Spiritual am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom, dem Ort, wo er einst selber Seminarist gewesen war. 1993 ernannte ihn der Provinzial zum Chefredakteur der Zeitschrift „Geist und Leben“. Er gehörte der Kommunität des Münchener Alfred-Delp-Hauses bis zu dessen Auflösung im Jahr 2003 an. Sein neues Domizil wurde die Jesuitenkommunität Sankt Georgen in Frankfurt am Main, der er bis zuletzt angehörte. Bis 2005 erledigte Pater Steinmetz die Redaktionsarbeit aus Frankfurt, bevor er diese Aufgabe an einen jüngeren Nachfolger übergeben konnte. Aber auch nach seiner „Pensionierung“ als Schriftleiter sind noch viele Artikel zur geistlichen Theologie und Spiritualität aus seiner Feder geflossen. Bis zuletzt war er ein gefragter Exerzitiengeber für Schwesternkommunitäten. So lange es seine Kräfte erlaubten, war er Begleiter einer charismatischen Gebetsgruppe. Als ihm der Alltag zunehmend beschwerlicher wurde, zog er in das auf der anderen Mainseite gelegene Franziska-Schervier-Seniorenzentrum in der Langen Straße um, wo er die nötige Pflege erhielt. Hier ist er in der Frühe des 14. Oktober im Beisein seiner Schwester Hildegard friedlich gestorben. Verschiedene Krankheiten hatten ihn monatelang ans Bett gefesselt, doch bis zuletzt konnte man sich trefflich mit ihm unterhalten.

Seine Predigten und Ansprachen waren oft mehr eine Reihung von Fragen als eine Übermittlung fertiger Einsichten. Die bisweilen heterodoxen Ansichten seines „Lehrers“ Wilhelm Klein blieben für seine Theologie und seine Verkündigung prägend. Auf Pater Klein führte er zurück, dass sein Denken nicht historisch blieb, sondern existentiell wurde. Mehr als einmal zitierte er den Ausspruch von Angelus Silesius: „Wäre Jesus tausend Mal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärest immer noch verloren“. Schon als Schüler war er vom Apostel Paulus begeistert und schrieb ein Paulusstück für das Schultheater. An Paulus liebte er die dialektische Zuspitzung und das, was er die paulinische Christus-Mystik nannte: „Wir werden verkannt und doch anerkannt, wir sind wie Sterbende und siehe, wir leben, uns wird Leid zugefügt, und doch sind wir fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich“ (2 Kor 6, 9-10). Vor seinem 80. Geburtstag wurde er gefragt, ob er noch älter werden wolle. Er antwortete: „Nein, ich will ewig leben. Nun, wir sind Christen und glauben an das ewige Leben.“ Zehn Jahre später wurde wahr, was Paulus schrieb: „Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (Röm 14).